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26.12.1944

Am 26.12.1944 war schwerer Artilleriebeschuss. Die Kleinkinder im Keller weinten und die Erwachsenen beteten. Unzählige Granaten hören wir über das Haus pfeifen. Plötzlich ein dumpfer Schlag und eine 2 m hohe Gerölllawine, gefolgt von einer kellerhohen undurchsichtigen Staubwolke wälzte sich auf uns zu. Sämtliche Kellerbewohner, etwa 18 an der Zahl, waren eingeschlossen.

Wir hatten einen Einschlag in die Südseite des Wohnhauses erlitten, genau in das Treppenhaus, dort wo Octavie (Witwe von Strotz Pierre, geborene Mathieu von Tintange, Freundin meiner Mutter), die Frau des Hauses, Mutter von 5 Kindern und seit 2 Jahren Witwe, pflegte sich aufzuhalten. Erst wenige Minuten zuvor hatte sie aus unerklärlichen Gründen eben diese Stelle für kurze Zeit verlassen. Ein Teil der Mauer war bis in die Dachhöhe eingestürzt.

Nach den ersten Schreckminuten tastete ich nach meinem Vetter (Gremling Jos), welcher neben mir lag, und fragte ihn: "Lebst du noch?". "Ja" antwortete er. Alle waren unverletzt geblieben und so entstand keine Panik.

Als die Staubwolke sich gelegt hatte und hie und da wieder eine Kerze brannte, hatten sich sämtliche Gesichter verändert. Alle waren dunkelbraun, gefärbt vom Staub und sahen aus, als kämen sie von einem anderen Planeten. Nur die Augen leuchteten furchterregend.

Zwei Männer Diederich Pier (Ehemann von Thérèse Wagner, 1a rue de l'Etang) und Raach Jules (Sohn Von Raach Anton, 12 rue Romaine) brachen mit einem "Mineeisen" die Luke ein, die sich auf der Nordseite des Kellers befand. Sie ermöglichten uns damit, während einer Waffenpause die Flucht in den Keller a Scheppen (Meyers-Reding Léon,14 rue Romaine), wo wir am 27.12.1944 von der amerikanischen Infanterie befreit wurden. In der Küche dieses Hauses ließen sich 3 müde deutsche Soldaten widerstandslos gefangen nehmen. Die meisten hatten die Flucht ergriffen, Richtung Harlingen.

-> Lesen sie bitte hier Teil 4 weiter

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