4

23.12.1944

Am 23.12.1944 fiel Bondorf nach schweren Kämpfen wieder in amerikanische Hand. Die Deutschen zogen sich nach Bauschleiden und Umgebung zurück.

Eine kleine Anzahl von Zivilisten, die nicht geflüchtet war, saß in den Kellern, unter ihnen auch einige Deutsche. Am Eingang des Dorfes, Richtung Bondorf, hatten die deutschen Soldaten in Schützengräben und hinter Häuser Stellung bezogen. Die Einschläge der Granaten waren zu dieser Zeit in Bauschleiden noch erträglich.

5

24.12.1944

Am 24.12.1944 nachmittags geriet Panik unter die deutschen Soldaten. Die amerikanischen Jagdflieger hatten sie trotz weißer Tarnung (Schnee) entdeckt. Die Deutschen wurden von diesen wendigen Fliegern bis in die Häuser verfolgt. Mit ihren Maschinengewehren an Bord trafen sie mit erstaunlicher Genauigkeit. Eine Salve drang zum Beispiel durch unser Stubenfenster ein und verfehlte den Kopf meines Vaters nur um Zentimeter. Bis zu 20 Mann stürmten in unser Haus und suchten Schutz hinter den dicken alten Mauern.

Dann ein unerwartetes Auftauchen von amerikanischen Panzern. Dort, wo heute das amerikanische Denkmal am Eingang des Dorfes steht, op der Lennchen (Flurname am Eingang Richtung Bondorf) war früher ein Schutthaufen, (Eigentümer Meyers Batty, Landwirt aus Bauschleiden, Vater von Emil Meyers, 10 rue Romaine), von etwa 3-4 Ar und etwa 2 m Höhe. Hinter diesem Hügel gingen die Panzer in Stellung. Einer wagte sich sogar bis auf eine Entfernung von knapp 20 m und nahm Deckung hinter dem Strohschober oberhalb unseres Hauses. Ein letzter Blick und auch wir Buben rannten in den Keller und wagten uns kaum zu bewegen.

Im Hause selbst lagen die Deutschen hinter den Lücken und Fenster, mit Panzerfäusten in den Händen zum Angriff bereit. Eine Stunde Totenstille oder Ruhe vor dem Sturm?

Dann plötzlich ein Starten der schweren Panzermotoren und ein Kettengeräusch, das uns fast zum Erstarren brachte. Einjeder glaubte, nun ginge es los. Doch es fiel kein Schuss. Das Getöse wurde allmählich leiser. Die stählernen Kolosse zogen sich in Richtung Bondorf zurück. Man spürte ein kaum nachvollziehbares Aufatmen, sowohl bei uns als auch auf Seiten der "Preisen" (luxemburgisches Wort für "Preußen").

Nach diesem Schock, zogen Tata Ditt (Deviscour Marguerite, Ehefrau von Gremling Albert, Mutter von Gremling Josy und Schwester meines Vaters Deviscour Nicolas), ihr Sohn Josy (da dieser nicht gerne allein gehen wollte) und ich in den Keller des Hauses Strotz, an Hechen (Haus Daubenfeld-Strotz Margot, 9 rue Romaine). Dieser befand sich in der Mitte des Dorfes und galt als relativ sicher.

Im Hause Strotz, wo wir Unterkunft erhielten, war ein verhältnismässiger großer "verwölbter" Keller von ungefähr 10 m Länge und 4 m Breite und großer Höhe. Drei weitere Familien hatten dort Unterschlupf gefunden: Familie Feyereisen-Dauphin "Tocken", Familie Diederich-Wagner "Wagenesch" und Familie Raach "Paschtöesch".

Wenn die amerikanische Artillerie eine Feuerpause einlegte, begab sich die mutige Nachbarin Raach Pauline (Ehefrau von Raach Anton, Nachbar von Daubenfeld-Strotz heute Krieps-Promme 12 rue Romaine), die gegenüber wohnte, schnell über die Straße und kam mehrere Stunden später mit frisch gebackenem Brot (5-6 Stück) zurück. Milch, Eier und Kartoffeln waren auch vorhanden. Fast jedes Haus hatte einen eigenen Brunnen. Karbidlampen oder Kerzen erzeugten das nötige Licht. Prima Selbstversorgung, was heute eine zusätzliche Katastrophe wäre.

Um die Weihnachtstage erreichte das Trommelfeuer seinen Höhepunkt. Die amerikanische Artillerie beschoss Bauschleiden unaufhörlich von Bilsdorf her. Kaum ein Haus blieb verschont, besonders die Südseite des Dorfes traf es am schlimmsten.

In diesen Tagen verbrannten in Bauschleiden 7 Häuser, 8 zusätzliche Häuser wurden völlig zerstört und viele andere stark beschädigt. Das Gebrüll der eingeschlossenen Tiere in den Ställen wie zum Beispiel in Dicksen (Poncin René, 4 rue Romaine) die dort verbrannten oder durch Verletzungen verendeten, hatte ich noch Wochen später in den Ohren.

-> Lesen sie bitte hier Teil 3 weiter

KONTAKT FORM

Benutzen Sie bitte diese Kontakt Form, wenn Sie eine Frage haben.

*Diese Eingaben sind erforderlich.

Bitte überprüfen Sie das Recaptcha vor dem Senden